November 5, 2016 Kaninchen 2327

Kaninchenmast - Ein Sinnbild für die wahllose Einteilung in „Nutz- oder Haustier“

Der beißende Gestank von Ammoniak, die zarten Pfoten schneiden sich in den Gitterboden, eine Mutter sitzt neben seinem toten Kind. Die Zustände in dieser Kaninchenmast sind grausam und ein Sinnbild für die gesamte Tierausbeutung in Deutschland. Arteigene Triebe? Die Tiere haben sie, können sie aber nicht im Geringsten ausleben. 

Die Bilder aus Kaninchenmastbetrieben rufen dabei häufig besonders starke Emotionen hervor. Aber warum ist das so? Um auf das Leid der Kaninchen aufmerksam zu machen hat tierretter.de e.V. in zwei Betrieben die aktuellen Zustände dokumentiert.

Auf der Schneide zwischen „Nutz- und Haustier“

Während die meisten Tiere, die für den menschlichen Konsum gezüchtet, gemästet und getötet werden, gelten Hühner, Puten, Rinder und Schweine ausschließlich als Nutztiere. Die meisten Menschen haben keinen direkten Bezug zu diesen Tieren. Zwar leben diese Tiere zu Abermillionen in Deutschland, sie werden aber hinter verschlossenen Türen in den Mastbetrieben gehalten. 

Kaninchen nehmen unter den sogenannten Nutztieren daher eine besondere Stellung ein, denn sie gelten auch als Haustiere. Viele Menschen haben einen persönlichen Bezug zu Kaninchen, kennen ihre Bedürfnisse und wissen wie sie sich verhalten. Die vom Menschen gemachte Differenzierung in Haus- oder Nutztier offenbart anhand von Kaninchen ihre vollkommene Widersinnigkeit und Wahllosigkeit.

Viele Menschen schockieren diese Bilder daher besonders stark. tierretter.de e.V. möchte anhand dieser Bilder vor allen Dingen die Frage aufwerfen, wo ein Unterschied sein soll?

Schweine, Rinder, Hühner und alle anderen sogenannten Nutztiere haben genauso arteigene Triebe wie Kaninchen. Genau wie die arteigenen Triebe von Kaninchen werden die Bedürfnisse der anderen Tierarten in den Haltungseinrichtungen komplett ignoriert. 

Rechtliche Lage

Lange gab es in Deutschland keine vorgeschriebenen Haltungsbedingungen für Kaninchen. Vor einigen Jahren wurde nun ein Extra-Abschnitt in die Tierschutznutztierhaltungsverordnung für Kaninchen integriert. Beide Betriebe in denen tierretter.de e.V. gefilmt hat verstoßen gegen diese neuen Haltungsvorschriften. Beide Betriebe dürfen jedoch aufgrund von Übergangsfristen quasi richtlinienfrei bis Anfang 2019 so weitermachen wie bisher.

Einer der Betriebe wird nach Informationen von tierretter.de e.V. schließen. Die geforderten Investitionsmaßnahmen lohnen sich nicht. Der andere Betrieb ist ein „anerkannter“ Betrieb eines großen Züchters. Quasi ein Vorzeigebetrieb. Wir gehen davon aus, dass dieser Betrieb auch nach 2019 weitermachen wird.

 

Reformismus áde

Ist also jetzt alles in Ordnung? Einer der Betriebe wird schließen, der andere baut seinen Stall eventuell um? Geht es den Tieren dann besser? 

An der Wurzel des Problems ändern diese neuen Vorschriften nichts. Es wird immer noch angenommen, dass es vollkommen in Ordnung ist Tiere einzusperren, ihrer arteigenen Triebe zu berauben. Durch die neuen Vorschriften wird das nun sogar legalisiert.

 

Zwar werden die neuen Vorschriften tatsächlich dazu führen, dass einige Betriebe schließen müssen, das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass die Vorschriften artgerecht sind. Tiere werden auch hier immer noch als Waren deklariert, die für den Menschen leiden und sterben müssen.

Wie können wir diese Zustände beenden?

Wir müssen die Menschen aufklären und ihnen zeigen, dass jedes Tier leidensfähig ist und auch Gefühle hat. Die tierverachtenden Zustände in den „Tierfabriken“ sind dabei nur die Konsequenz der Annahme, dass es in Ordnung ist Tiere auszubeuten. Reformen manifestieren das System indem sie Verbraucher_innen signalisieren: Es ist alles in Ordnung so. Nein! Es ist nicht alles in Ordnung so. Wir müssen für die Rechte der Tiere laut, klar und direkt einstehen. Ohne Kompromisse!

Die Ausbeutung von Kaninchen zeigt dabei besonders klar, wie wahllos die Einteilung zwischen „Haustieren“, die wir streicheln und „Nutztieren“, die wir töten, ist. Dieses Schubladendenken können wir gemeinsam abschaffen und uns somit für die Befreiung aller Tiere aus dem Herrschaftsverhältnis des Menschen einsetzen.

Im Rahmen dieser Recherche hat tierretter.de e.V. insgesamt 15 Kaninchen befreit. Diese Tiere sollen Botschafter_innen für all jene Tiere werden, die wir zurücklassen mussten. 

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