Bis jeder Käfig leer ist!

21 Aktivist*innen, 4 Länder, 3 Kontinente, 37 befreite Tiere - am fünften März jedes Jahres wird ab jetzt der ‚Open Rescue Day‘ sein. Im Jahr 2017 startet das Bündnis aus Tierrechtsvereinen seine Arbeit mit der ersten international organisierten und veröffentlichen Tierbefreiung.

Im Angesicht der stetig steigenden Zahlen von Tieren, die für die Nahrungsmittelindustrie getötet werden - scheinen 37 gerettete Tiere verschwindend gering. Die Anlagen, in denen diese Tiere gezüchtet und gemästet wurden sind teilweise auf zehntausende Tiere ausgelegt - eine Befreiung ist niemals mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein, ein symbolischer Akt.

Tierbefreiungen verändern in erster Linie das Leben der geretteten Tiere, und auch wenn es nur wenige sein können - für diese Tiere ändert sich alles. Vom Drahtgitterboden auf die grüne Wiese, vom Mastfutter zur artgerechten Fütterung, vom stickigen Stall ins Sonnenlicht und aus den Händen der Menschen, die sie töten werden in die Hände von Menschen, die sie den Rest ihres Lebens versorgen und pflegen werden.

Aktionen wie diese bedeuten aber noch viel mehr: Sie sind ein Hoffnungsschimmer für jene Aktivist*innen, die jeden Tag für die Rechte der Tiere kämpfen und für ein Ende der Ausbeutungsindustrie, aus der diese Tiere gerettet wurden. 

Am wichtigsten ist es jedoch zu zeigen, dass jedes einzelne dieser Tiere ein Individuum ist. Aus einer unüberschaubaren Masse, aus Zahlen in einer Schlachtstatistik werden auf einmal Tiere - Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, Trieben und einer Persönlichkeit. Kaum eine andere Aktionsform verdeutlicht die Ziele der Tierrechtsbewegung besser als Tierbefreiungen, es geht darum die Tiere aus der Herrschaft der Menschen zu befreien.

Animal Liberation Victoria - Haben 13 Individuen befreit.

Direct Action Everywhere - Haben 2 Individuen befreit.

Tomma Burar - Haben 4 Individuen befreit.

tierretter.de e.V. - Haben 18 Individuen befreit.

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39 Millionen - so viele Hühner leben und leiden in Deutschland in der Nutztierhaltung zur Produktion von Eiern. Ihre männlichen Brüder wurden lebendig geschreddert oder vergast. Sie leben auf ihren eigenen Exkrementen, zu Tausenden eingepfercht. Weiter lesen

30 Hühner aus Käfighaltung befreit

Aktivisten von tierretter.de befreien 30 Legehennen aus einem Megastall. Etwa 150.000 Hennen werden in diesem Betrieb unter unwürdigen Bedingungen gehalten, um möglichst viele Eier zu legen. 45 Millionen Legehennenplätze gibt es in Deutschland zurzeit insgesamt, Tendenz steigend. Eine Zahl, die man sich kaum vorstellen kann. Die Anzahl der Tiere, die wir in dieser Aktion befreien konnten, scheint im Verhältnis verschwindend gering zu sein. Doch für jedes einzelne dieser Tiere ändert sich etwas ganz Grundlegendes: es ist jetzt frei und dadurch dem System der grenzenlosen Ausbeutung entkommen.

Bei offenen Befreiungen von Tieren zeigen wir unsere Gesichter, denn hinter solchen Aktionen stehen immer auch Menschen, die bereit sind, Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen. Und zwar grenzenlose Verantwortung. Die fragwürdige Legalität spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wir zerstören keine Ställe, brechen keine Türen auf, selbst auf passende Schutzkleidung achten wir. Zum einen, um die zurückbleibenden Hühner nicht mit Keimen oder Bakterien aus der realen Welt zu belasten, zum anderen aber auch, um uns selbst vor den sogenannten Bioaerosolen oder MRSA-Keimen zu schützen, die in quasi jedem solchen Betrieb zu finden wären.

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Auf einem Parkplatz, irgendwo in Niedersachsen treffen wir nachts zusammen um gemeinsam die letzten Kilometer zum Megastall zurück zu legen. Den Stall kann man bereits aus mehreren hundert Metern riechen. Das liegt an den enormen Lüftungsanlagen, die das gesamte Luftvolumen aus dem riesigen Stall mehrfach in der Stunde umwälzen. Die verbrauchte, ungefilterte und völlig verkeimte Luft wird rund um die Uhr mit großen Ventilatoren herausgeblasen. Den Stall können wir problemlos betreten, die Türen sind nicht verschlossen. Im Inneren der Anlage kommt uns der Geruch, der uns bereits draußen in Empfang genommen hat, nahezu unerträglich vor. Mit dem Bewusstsein, dass wir die meisten der rund 150.000 Hennen in diesem krank machenden Gestank zurücklassen müssen beginnen wir mit der Dokumentation unserer Befreiung. Fotos und Videos sollen später öffentlich zeigen, warum wir gerade hier dringenden Handlungsbedarf erkennen und uns ganz direkt für vom Menschen ausgebeutete Tiere einsetzen. Für ihre Ausbeuter sind diese Tiere nur Mittel zum Zweck, werden nach wirtschaftlichen Kriterien als Produkt beurteilt um ökonomischen Profit zu generieren. Die Hühner selbst würden lieber Nester aus Stroh bauen, im Sand baden und ihren sonstigen, essentiellen und natürlichen Bedürfnissen nachgehen. Die 30 Hennen, die wir aus der Befreiungsaktion mitgenommen haben machen nämlich heute genau das: Sie gehen ihren natürlichen Verhaltensweisen nach und führen ein würdevolles Leben ohne den unsagbaren Stress aus der Massentierhaltung auf einem schönen Gnadenhof für Tiere. 

Der Konsument, der unseren Aktivismus befürwortet, soll sich beim Anblick dieser Bilder jedoch nicht freuen, im Gegenteil, wir sehen in der offenen Befreiung eher die Aufforderung sich zu schämen, dass wir überhaupt aktiv werden müssen. Denn der Konsument ist durch sein Konsumverhalten verantwortlich für die miserablen Lebensbedingungen der Tiere. Nur durch eine konsequente Verneinung von Produkten, die Tierquälerei beinhalten, kann die Ausbeutung von Tieren ein Ende haben.

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Die Hühnerhölle von Niedersachsen

In einer Legebatterie in Niedersachsen werden 76.000 Hennen gehalten. Als wir im Schutze der Dunkelheit die unverschlossene Farm betreten, ist es erstaunlich ruhig. Schnell wird klar, dass viele der Käfige leer sind. Nur in den hinteren Reihen befinden sich noch Tiere. Die werden aber wohl in Kürze ebenfalls abtransportiert. Die sogenannten Geflügelgreifer müssen hier schon ein oder zwei Tage gewütet und den Großteil der Hennen auf LKW verladen haben. Denn nach 12-15 Monaten werden die Tiere in der Eierproduktion unrentabel und daher zum Schlachthof transportiert. Vermarkten lassen sich die ausgemergelten Körper dann nur noch als so genannte Suppenhühner.

Die leeren Käfige scheinen zunächst uninteressant. Doch schnell wird klar, dass in dieser Farm einiges gehörig aus dem Ruder gelaufen ist. In etlichen Gitterboxen liegen tote Hühner, die man nur deshalb sieht, weil die Farm schon größtenteils ausgestallt ist. Zwischen tausenden lebenden Tieren wären die verstorbenen kaum auszumachen. Nun aber scheint die Zahl der sichtbaren toten Hennen unglaublich hoch. Der Farmer räumt sie wohl nicht aus den Käfigen, sondern lässt sie einfach liegen. Monatelang geht das so, bis das Räumkommando kommt. Deshalb ist ein erheblicher Teil der gestorbenen Hühner auch mumifiziert und bereits an den Gittern festgerottet. Es muss schon viel Kraft aufgewendet werden, um die verwesten Überreste zu entfernen. Andere Hennen sind ebenfalls schon seit Wochen tot und bläulich-grün verfärbt. Leichensäfte tropfen aus ihren Schnäbeln, Hygiene scheint hier nicht stattzufinden. Kaum zu glauben, dass unter solchen Bedingungen Lebensmittel produziert werden die ungewaschen in den Handel und beim Verbraucher landen. 

Beim Räumen der Farm sind dutzende Hühner abgehauen. Sie laufen nun frei umher, was sich zwar gut anhört, mit wahrer Freiheit tatsächlich aber nichts zu tun hat. Außerhalb der Käfige haben die Tiere keine Trinkwasserversorgung und drohen zu verdursten. Oder sie fallen in die Kotgruben und sterben in den eigenen Exkrementen. Dass das wirklich passiert zeigt sich, als wir einige Holzbretter anheben, die den Zugang zur Kotgrube verdecken. Sofort beim ersten Versuch finden wir dort ein totes Huhn im Dreck. Wir können uns kaum vorstellen, wie groß die Qualen dieses Tieres gewesen sein müssen.

Wir heben weitere Bretter an und finden lebende Hühner. Zwar sind wir auf eine Tierbefreiung nicht vorbereitet, es ist uns aber sofort klar, dass wir die Tiere nicht zurücklassen können und werden!

Immer wieder wirft man Recherteams vor, sie würden Bilder manipulieren. Eine einfache Metohde, um bei den Konsumenten Misstrauen zu schüren. Nachfolgend ist eine ungeschnittene Videosequenz zu sehen, die bei diesem Einsatz entstanden ist. Neben der traurigen Tierausbeutung sieht man alleine in diesen paar Minuten circa 45 gestorbene Hennen.

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