Tierschutz ist seit 2002 Staatsziel und ist so auch im Grundgesetz verankert. Wie es um den Tierschutz in Deutschland wirklich steht, zeigen immer wieder Aufnahmen von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen: Schweine leiden in reizarmen Betonbuchten, Hühner leben dichtgedrängt zu zehntausenden in Hallen, Kälber werden nach der Geburt ihrer Mutter entrissen. Wenn solche Aufnahmen einen neuen Skandal auslösen, werden immer wieder Forderungen nach neuen oder strengeren Gesetzen laut. Was ist von neu erlassenen Gesetzen zu halten? Sichern diese den Tierschutz in Deutschland?

Die Tierschutz-Nutztierhaltungssverordnung wurde seit 2002 in vielen Punkten erweitert oder angepasst. Die neuen Vorschriften zum Halten von Pelztieren beispielsweise sind so gestaltet worden, dass die Produktion von Pelz in Deutschland schlichtweg nicht mehr rentabel ist. Fälle wie dieser zeigen, wie systematisch Tierquälerei in der sogenannten Nutztierindustrie ist. Müssten die Ställe wirklich an artgerechte Lebensbedingungen angepasst werden, lohnt es sich einfach nicht mehr: Ein funktionierendes, ausbeuterisches System der Nutztierhaltung ist ohne Tierquälerei nicht möglich.

Einige Tierarten werden in der Nutztierhaltungssverordnung überhaupt nicht beachtet, so gibt es beispielsweise keine verbindlichen Vorschriften zum Halten von Puten oder Enten. Für Kaninchen gab es ebenfalls lange keine Vorschriften. Erst im Jahr 2014 wurden sie in die Verordnung aufgenommen. Tierschützer*innen hatten immer wieder Aufnahmen von eingepferchten Kaninchen in kommerziellen Mastbetrieben veröffentlicht, woraufhin der Gesetzgeber handeln musste, denn der öffentliche Druck wurde zu groß.

Auch tierretter.de hat Kaninchenmastanlagen dokumentiert, Ställe, die so eigentlich gar nicht mehr hätten betrieben werden dürften. Allerdings hat der Gesetzgeber lange Übergangsfristen für diese Gesetze erlassen, um den tierhaltenden Betrieben eine Zeit einzuräumen die Ställe an die neuen Bedingungen anzupassen. Anfang 2019 müssen die Ställe den neuen Vorgaben entsprechen, zudem gibt es für Betriebe die einen Teil der Anforderungen schon umsetzen eine erweiterte Frist bis 2024.

Haltungen, wie in dieser Bildergalerie zu sehen, sind nicht mehr legal.

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tierretter.de lehnt das Züchten von Tieren, nur um diese irgendwann zu töten grundsätzlich ab. Tiere sind fühlende Lebewesen, genau wie wir Menschen. Und sie verdienen ein grundsätzliches Recht zu leben, genau wie wir Menschen. Wir brauchen kein Fleisch um zu überleben, über eine Million Menschen, die sich rein pflanzlich ernähren, zeigen das jeden Tag.

Werden Bilder aus Kaninchenmastbetrieben gezeigt, empören sich die Menschen - eigentlich sind sich alle einig, dass das nicht richtig ist und enden muss. tierretter.de vermutet, dass gerade die Bilder aus Kaninchenmastbetrieben regelmäßig eine besonders große Empörung auslösen, weil viele Menschen wissen welche Bedürfnisse Kaninchen haben. Bei Schweinen oder anderen Tieren, die zur Fleischproduktion gemästet werden, scheint das anders zu sein, obwohl sie in den Mastbetrieben unter ähnlich schlimmen Bedingungen leben müssen. Doch im Gegensatz zu Schweinen, Hühnern, Enten oder Puten werden Kaninchen oft auch als sogenannte „Haustiere“ gehalten. Genauso wie ein Kaninchen hoppeln will, möchte ein Schwein rennen. Genauso wie ein Kaninchen buddeln möchte, möchte ein Huhn im Sand baden oder eine Ente schwimmen. Hier eine Grenze zwischen den Tierarten zu ziehen, nur weil uns bestimmte Tierarten vermeintlich näher sind, ist nicht nachvollziehbar. Und nur eine konsequente Abkehr von tierischen Produkten respektiert alle Tiere. Denn auch sie sind genauso fühlende Lebewesen wie wir Menschen.

 

Wo machst Du den Unterschied?

Die Behörden und Gesetze respektieren Tiere jedoch nicht und so bedeuten auch die neu geschaffenen Haltungsvorschriften für Kaninchen mitnichten ein artgerechtes Leben, bevor diese Tiere getötet werden. Nicht einmal die Haltung in Käfigen wird konsequent verboten, sondern nur unter bestimmte Auflagen gestellt. Weiterhin schneiden sich die dünnen Drahtgitter in die sensiblen Pfoten der Kaninchen, auch wenn ihnen ein befestigter Bereich und eine zweite Ebene zur Verfügung gestellt werden muss. Jedes Kaninchen bekommt eine Fläche von 1500 Quadratzentimetern. Das entspricht einer Fläche von 50cm x 30cm - nur wenig größer als zwei DinA4 Blätter. Die Gesetze schützen keine Tiere, sie regeln nur deren legale Ausbeutung.

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Am relevantesten an den neuen Gesetzen sind jedoch jene Teile, die von der Verordnung nicht betroffen sind: Hobbyzüchter. Denn die Verordnungen gelten nur für kommerzielle Betriebe. Die unzähligen Kaninchenboxen in Hinterhöfen, die sogar einen weitaus größeren Prozentsatz der Kaninchenfleischerzeugung ausmachen, müssen die Verordnungen nicht einhalten.

Die tierquälerische Haltung, wie man sie in dieser Galerie sieht, bleibt weiterhin legal. Sie findet im Gesetz keine Beachtung.

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Und so leiden Kaninchen weiter - in Mastbetrieben, weil die neuen Vorschriften alles andere als tiergerecht sind, bei Hobbyzüchtern, weil diese von dem Gesetz nicht einmal betroffen sind und überhaupt leiden sie nur, weil Menschen die Körper toter Tiere essen wollen. Wir setzen uns ein für einen konsequenten Tierschutz, der jedes Tier als fühlendes Lebewesen betrachtet - und das bedeutet deren Körper nicht zu essen, deren Häute nicht zu tragen und auch zur eigenen Unterhaltung Tiere nicht einzusperren und zu begaffen.

Bis jeder Käfig leer ist!

21 Aktivist*innen, 4 Länder, 3 Kontinente, 37 befreite Tiere - am fünften März jedes Jahres wird ab jetzt der ‚Open Rescue Day‘ sein. Im Jahr 2017 startet das Bündnis aus Tierrechtsvereinen seine Arbeit mit der ersten international organisierten und veröffentlichen Tierbefreiung.

Im Angesicht der stetig steigenden Zahlen von Tieren, die für die Nahrungsmittelindustrie getötet werden - scheinen 37 gerettete Tiere verschwindend gering. Die Anlagen, in denen diese Tiere gezüchtet und gemästet wurden sind teilweise auf zehntausende Tiere ausgelegt - eine Befreiung ist niemals mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein, ein symbolischer Akt.

Tierbefreiungen verändern in erster Linie das Leben der geretteten Tiere, und auch wenn es nur wenige sein können - für diese Tiere ändert sich alles. Vom Drahtgitterboden auf die grüne Wiese, vom Mastfutter zur artgerechten Fütterung, vom stickigen Stall ins Sonnenlicht und aus den Händen der Menschen, die sie töten werden in die Hände von Menschen, die sie den Rest ihres Lebens versorgen und pflegen werden.

Aktionen wie diese bedeuten aber noch viel mehr: Sie sind ein Hoffnungsschimmer für jene Aktivist*innen, die jeden Tag für die Rechte der Tiere kämpfen und für ein Ende der Ausbeutungsindustrie, aus der diese Tiere gerettet wurden. 

Am wichtigsten ist es jedoch zu zeigen, dass jedes einzelne dieser Tiere ein Individuum ist. Aus einer unüberschaubaren Masse, aus Zahlen in einer Schlachtstatistik werden auf einmal Tiere - Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, Trieben und einer Persönlichkeit. Kaum eine andere Aktionsform verdeutlicht die Ziele der Tierrechtsbewegung besser als Tierbefreiungen, es geht darum die Tiere aus der Herrschaft der Menschen zu befreien.

Animal Liberation Victoria - Haben 13 Individuen befreit.

Direct Action Everywhere - Haben 2 Individuen befreit.

Tomma Burar - Haben 4 Individuen befreit.

tierretter.de e.V. - Haben 18 Individuen befreit.

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Kaninchenmast - Ein Sinnbild für die wahllose Einteilung in „Nutz- oder Haustier“ Der beißende Gestank von Ammoniak, die zarten Pfoten schneiden sich in den Gitterboden, eine Mutter sitzt neben seinem toten Kind. Die Zustände in dieser Kaninchenmast sind grausam... Weiter lesen

Ein anonymer Hinweis macht die Tierretter Christian Adam und Stefan Bröckling auf ein heruntergekommenes Gelände in Hessen aufmerksam. Ein Hobbyzüchter soll dort Tauben und Kaninchen halten und diese vernachlässigen. Schon der äußere Eindruck des Areals ist verheerend. Kaum vorstellbar, dass hier jemand regelmäßig ein- und ausgehen soll. Doch im Innern befinden sich tatsächlich Stallungen sowie dutzende Tiere.

Die Kaninchen fristen ihr Dasein in den typischen Holzboxen, die den Tieren nicht einmal ansatzweise gerecht werden. Leider ist diese Form der Haltung nicht grundsätzlich verboten. Einige Ställe sind völlig verdreckt, doch schlimmer ist, dass keines der Kaninchen Trinkwasser hat. Um die erste Not zu lindern füllt Stefan die leeren Plastik-Trinkflaschen, während Christian das Elend dokumentiert. Selbst nach 20 Minuten sind einige Kaninchen noch mit der Aufnahme des Trinkwassers beschäftigt. Wer weiß, wann sie das letzte Mal versorgt wurden? Auch Futter ist nicht vorhanden. Und das, obwohl Kaninchen stets Heu in guter Qualität und ausreichender Menge zur Verfügung haben sollten. Denn ihr Verdauungstrakt funktioniert nur dann, wenn sie jederzeit Nahrung aufnehmen können. Längere Futterpausen sind völlig inakzeptabel und gesundheitsgefährdend.

In zwei Volieren sitzen etliche Tauben in den eigenen Exkrementen. Scheinbar wurde hier seit Jahren nicht mehr sauber gemacht. Und auch einige Hühner hocken in einem Käfig. Eines der Tiere hat ein verletztes Auge.

Als der verantwortliche Hobbyzüchter am Gelände eintrifft, wird er mit den Zuständen konfrontiert. In dem Glauben, dass Stefan und Christian das Gelände nur von außen kennen, streitet er alle Vorwürfe ab. Erst nach und nach wird der Mann gesprächsbereiter und lässt Stefan und Christian dann sogar zu den Stallungen. Nach einem längeren Gespräch erklärt der Züchter sich bereit, insgesamt 21 Tauben und vier Kaninchen in die Obhut der Tierretter zu übergeben. Aber es bleiben auch etliche Tiere zurück. Um die kümmert sich das zuständige Veterinäramt direkt nach unserer Meldung.

Die geretteten Tiere konnten allesamt in Gute Hände gegeben werden. 

UPDATE

Aktuelle Info: Wir haben die Haltung nachkontrolliert und zum Glück gibt es diese Tierhaltung nicht mehr! Die Stallungen wurden irgendwann nach unserem Einsatz abgerissen.

 

 

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