Tortur als Tradition - Karneval der Tiere

Karneval, Fasching, Fasnacht - können Traditionen und Brauchtümer Rechtfertigung für Tierquälerei sein? Besonders in der fünften Jahreszeit stellt sich diese Frage erneut. Während hunderttausende zu den Festtagsumzügen stürmen um zu feiern, leiden in den Zügen hunderte Tiere - genauer gesagt Pferde, die entweder geritten werden und Kutschen oder Kanonen ziehen. 

Pferde sind Fluchttiere

Als Fluchttier zeichnen sich jene Tiere aus, die bei drohender Gefahr nicht in die Offensive gehen, sondern lieber die Flucht ergreifen. Löwen sind beispielsweise keine Fluchttiere, aber Pferde sind es - dennoch werden die sensiblen Tiere an den Karnevalstagen genau dem mutwillig ausgesetzt: bedrohlichen Situationen.

 

Der Lautstärkepegel ist enorm, das Publikum brüllt ‚Kamelle‘, die Reiter werfen fröhlich Süßigkeiten zu den Kindern - für ein Pferd ist diese Situation kaum einzuschätzen, sie sind es nicht gewöhnt, sie würden lieber die Flucht ergreifen, müssen aber dennoch durch die Menschenmassen in oft engen Gassen. Immer wieder schießen die Kanonen, die Tiere erschrecken sich.

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Für die Tiere: Stress pur

Die Pferde schwitzen stark, reißen immer wieder die Köpfe hoch, tänzeln auf den Hufen - all das sind eindeutige Anzeichen von Stress. Die Reiter*innen und Kutschenführer*innen scheinen das auch zu wissen, anscheinend ist es ihnen aber egal - früher wurden die Tiere für den Einsatz im Karneval sediert, heute ist das vielerorts verboten. Dennoch tragen die Pferde oft Scheuklappen und Ohrenschützer um sie teilweise von dem Stress abzuschirmen - als ‚Tierschutzmaßnahme‘ getarnt wird nur weiter manifestiert: „Es ist in Ordnung den Tieren diesen Stress auszusetzen!“ 

Egal wo - Tiere gehören nicht in den Karnevalsumzug

 

Aktivist*innen von tierretter.de, Tierrechtsinitiative Köln, Tierbefreier Bonn & Initiative RheinVegan dokumentieren 2017 insgesamt vier verschiedene Umzüge - in Bonn, Köln, Bochum und Bonn-Beuel. Überall sind die Tiere gestresst, dieses Leid ist ortsunabhängig, es ist situationsabhängig und die Situation ist überall die Gleiche. Die Diskussion ob Pferde im Karnevalsumzug verboten werden sollten, keimt immer wieder auf - bisher ohne Erfolg. Dabei bedeuten Pferde auch ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko, auch für die Menschen. Dieses Jahr kollabierte nicht nur ein Pferd in Köln, in Bonn verursachte eine Kutsche einen Unfall und verletzte neun Menschen. Viele der Tiere wirken auf Pferdeerfahrene Menschen wie tickende Zeitbomben, die jeden Moment hochgehen können - dass nicht mehr Unfälle passieren wirkt wie ein Wunder.

 

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Die Tradition der Tradition willen

Dabei spricht nichts dagegen die Brauchtümer abzuwandeln - keine*r hätte einen Nachteil davon, die Tiere würden uns es jedoch danken. 2016 durften aus witterungsbedingten Gründen keine Pferde im Rosenmontagszug von Köln mitlaufen - eine Transformation bedeutet immer Reibung, im Nachhinein wird sie aber oft als notwendig und richtig anerkannt.

Karneval der Tiere?

tierretter.de hofft, dass in der Diskussion um die Nutzung von Tieren auch in diesen traditionsbesetzen Bereichen endlich eine Entscheidung FÜR die Tiere getroffen wird. Eine Tradition nur der Tradition willens aufrecht zu erhalten und dabei mutwillig Leid für andere Lebewesen verursachen kann und darf in unserer moralischen Gesellschaft nicht geduldet werden - im Gegenteil: Unsere moralische Gesellschaft muss sich geschlossen GEGEN solche Traditionen stellen.

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