Juni 5, 2023 by Admin in Allgemein 0 Kommentare 2003

Gute Gründe für das Ende der Fuchsjagd!

Es gibt sowohl aus wildbiologischer als auch aus gesundheitlicher Sicht keine vernünftigen Gründe für die Fuchsjagd. Ganz im Gegenteil. Füchse sind sehr nützliche Tiere, die wir in unseren Wäldern und Wiesen als Gesundheitspolizei brauchen. In Luxemburg ist die Fuchsjagd bereits seit 2015 verboten. Jäger:innen hatten daraufhin mit einer Überpopulation von Füchsen oder der Verbreitung von Krankheiten gerechnet. Das ist alles nicht passiert, da sich die Bestände tatsächlich selbst regulieren. Füchse sind im natürlichen Kreislauf unserer Natur ein wichtiges Glied. Ein Verbot der Fuchsjagd ist längst überfällig.

Was sind Schliefenanlagen genau und sind sie legal?

Aktuell werden in Deutschland etwa 100 sogenannte Schliefenanlagen aktiv durch Jäger:innen betrieben. In den Anlagen findet die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Füchsen statt. Dabei wird der Fuchs in ein künstlich angelegtes Tunnelsystem gesetzt, das einen Fuchsbau simulieren soll. Anschließend wird der auszubildende Hund hinterhergeschickt. Der Fuchs hat dann irgendwann einen Kessel erreicht, der durch ein Gitter vom Hund getrennt wird, damit der Spürhund ihn körperlich nicht erreichen kann. Es darf also zu keinem direkten Kontakt kommen. Die ständige Todesangst beim Fuchs bleibt aber. Ziel dabei ist es, dass der Hund übt, den Fuchs aus dem Bau zu treiben, damit dieser dann auf freiem Feld erschossen werden kann. Bei dem Training für die „Baujagd“ werden immer wieder dieselben Füchse dieser schlimmen Hetzjagd ausgesetzt. Das Leben dieser sehr sensiblen und intelligenten Tiere verläuft ansonsten extrem öde, da die Füchse in kleinen Zwingern gehalten werden. Normalerweise ist das Revier eines Fuchses bis zu 300 Hektar groß. Das eingesperrt sein und die ständige Gegenwart von Hunden und Menschen bedeutet für Wildtiere erheblichen Stress. Das wird auch in Gutachten bestätigt, die von länger anhaltenden und erheblichen Leiden für die Füchse, die in Schliefenanlagen gehalten werden, berichten. Es geht also um Tierquälerei, die nach dem deutschen Tierschutzgesetz verboten ist. Schliefenanlagen und auch die Baujagd sind aber in Deutschland in fast allen Bundesländern trotzdem noch immer legal. In anderen Ländern der EU sind Schliefenanlagen aufgrund der Grausamkeit schon lange verboten.

Falsche Argumente der Jäger:innen

Der Fuchs verbreitet Tollwut: Die Tollwut ist in Deutschland seit 2008 ausgestorben, der Fuchs ist als Überträger also nicht mehr relevant. Die intensive Jagd auf den Fuchs hat nicht zur Bekämpfung der Tollwut beigetragen, sondern erst der großflächige Abwurf von Impfködern aus dem Flugzeug.

Der Fuchs fördert die Ausbreitung des Fuchsbandwurms: Falsch. Richtig ist, dass die Jagd auf den Fuchs die Verbreitung des Fuchsbandwurms durch einen höheren Anteil von gegen den Befall anfälligeren Jungtieren und durch verstärkte Wanderbewegungen innerhalb der Fuchspopulation tatsächlich fördert. Den Beleg dafür zeigt die Zunahme der Befallsrate von 40 auf 55% durch Intensivbejagung in einem 693 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet in Frankreich. Seit dem Verbot der Fuchsjagd in Luxemburg ist die Befallsrate von 40 auf 20% gesunken. Ein interessanter positiver Nebeneffekt ist, dass die Verbreitung von Zecken mit Borrelien (Erreger der Bolleriose) bei hohen Fuchspopulationen rückläufig ist, da Mäuse als Hauptwirte von Zecken ihr Verhalten ändern und sich weniger an der Erdoberfläche aufhalten.

Die Fuchsjagd verstößt gegen das Tierschutzgesetz

Das Tierschutzgesetz verbietet die Tötung von Wirbeltieren „ohne vernünftigen Grund“ in §1 und §7. Es gibt keinen vernünftigen Grund für die Fuchsjagd. Getötete Füchse werden meistens einfach weggeworfen. Fuchsjagd schafft erhebliches Leiden. Bei der Baujagd werden Füchse von einem Hund aus dem Bau getrieben und anschließend getötet. Die Ausbildung der Hunde findet in Schliefenanlagen statt, in denen eigens dafür in Gefangenschaft gehaltene Füchse in Zwingeranlagen leben. Bei der Fallenjagd werden Füchse in Lebendfallen gefangen und anschließend getötet. Jungtiere und Welpen werden entweder aus dem Bau getrieben oder direkt vor dem Fuchsbau erschossen. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Fuchses unter aktiver Bejagung liegt unter einem Jahr.

Fuchsjagd zerstört Selbstregulation und Sozialstrukturen

Füchse leben in sozialen Verbänden und Familiengruppen. Nachwuchs bekommen nur die ranghohen Tiere. Durch eine Bejagung werden diese Sozialstrukturen zerstört und die meisten weiblichen Füchse (Fähen) bekommen dann Nachwuchs. In Luxemburg, wo es keine Jagd auf Füchse mehr gibt, bleibt die Populationsdichte konstant und die Geburtenraten sind niedrig.

Aktuelle Situation: Verfahren gegen die Betreiber:innen der Schliefenanlage in Lemgo Voßheide

Nach der Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft Detmold gegen Hauptverantwortliche der Schliefenanlage in Lemgo Voßheide hat im Dezember 2022 der verhandelnde Richter innerhalb von sechs Monaten Alternativen für die Ausbildung von Hunden für die Jagd gefordert – ohne lebende Füchse. Der Richter wollte so den Druck aufrechterhalten, notwendige Änderungen herbeizuführen. Zudem betonte er, dass er keine Notwendigkeit für die Fuchsjagd an sich sieht. Aus diesem Grund fordern wir die Schließung aller Schliefenanlagen in Deutschland.